Ergebnisse der Dialogveranstaltung "Forschung zu Migration und Integration - von der Wissenschaft in die Gesellschaft"

Wie kann der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sowie der Transfer von Forschungsergebnissen im Bereich Migrations- und Integrationsforschung gezielter unterstützt werden? Diese Frage stand im Vordergrund der Dialogveranstaltung „Forschung zu Migration und Integration – Von der Wissenschaft in die Gesellschaft“, die am 9. Mai 2019 in Bonn von der Nationalen Kontaktstelle Gesellschaft (DLR Projektträger) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) organisiert wurde. Die NKS Gesellschaft hat die Ergebnisse der Diskussion zusammengefasst.

Wie funktioniert eine gute Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxispartnern?

  • Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis von beiden Seiten gewünscht und sie wird auch schon vielfach praktiziert.
  • Stakeholder sollten entlang der spezifischen Kompetenzen, die sie in Projekte einbringen können, identifiziert werden. Dabei sollten nach Möglichkeit und je nach Thema unterschiedliche Perspektiven und verschiedene Akteursgruppen in die Projekte einbezogen werden.
  • Eine persönliche und individuelle Ansprache, die auf den jeweiligen Stakeholder abgestimmt ist, ist von zentraler Bedeutung.
  • Bei der Stakeholder-Einbindung bilden die häufig nur knapp vorhandenen finanziellen/personellen Ressourcen ein Hindernis (Stichwort Ehrenamt). Praxispartner als Projektpartner für ihre geleisteten Tätigkeiten zu finanzieren, ist daher ein wichtiger Punkt. Gleichzeitig können die administrativen Belastungen, die z.B. mit einer Teilnahme an EU-Projekten als Zuwendungsempfänger einhergehen, gerade für kleine zivilgesellschaftliche Akteure eine große Herausforderung darstellen.
  • Eine gelingende Kooperation von Wissenschaft und Praxis benötigt – von beiden Seiten – Zeit, ehrliches Feedback, Offenheit und Kontinuität.
  • Schon bei der Projektvorbereitung sollte an Praxisakteure gedacht und diese eingebunden werden. Die gemeinsame Entwicklung des Konzepts auf Augenhöhe („co-creation“) erhöht die Anwendungsrelevanz der Projektergebnisse.
  • Flexibilität ist wichtig: In den Projekten sollten Möglichkeiten vorhanden sein, um nachzujustieren, zu evaluieren und die Arbeit gegebenenfalls neu auszurichten.
  • Insbesondere bei längeren Projektlaufzeiten ist es zur Entwicklung zeitgemäßer Lösungen wichtig, immer wieder neue Praxispartner in die Forschung miteinzubeziehen, die als Korrektiv fungieren und neue Aspekte einbringen können.
  • Gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis wurden mit Werkstatt- Formaten und regelmäßigen kleineren Austauschformaten auf lokaler Ebene gemacht.
  • Forschungsprojekte sollten bezogen auf das Projekt und seine Ergebnisse eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln – auch um Praxispartner zu überzeugen, dass eine Kooperation lohnenswert ist.

Welche Strukturen braucht es, um den Transfer in die Gesellschaft zu unterstützen?

  • Eine Hürde beim Transfer ist oft die fehlende Nachhaltigkeit aufgrund des zeitlich befristeten Projektcharakters und personeller Fluktuation: Wissen geht verloren.
  • Es gibt zahlreiche Projekte und Initiativen zum Thema Migration/Integration auf unterschiedlichen Ebenen (EU, Bund, Länder, Kommunen), die häufig nebeneinander laufen, ohne im Dialog miteinander zu stehen.
  • Die Zusammenarbeit und der Austausch bezüglich dieser Initiativen muss gestärkt werden. Um diesen Wissenstransfer zu ermöglichen, braucht es personelle Ressourcen („Moderatoren“/„Brückenbauer“).
  • Auch zwischen Forschung und der Praxisebene sind dauerhafte Bindeglieder wichtig, um das in den Forschungsprojekten erarbeitete Wissen weiter zu tragen.
  • Es wird mehr Wirkungsforschung benötigt, die nach Ende der Forschungsprojekte Transfer und Auswirkungen der Projektergebnisse evaluiert. Dafür sind derzeit in den Forschungsprojekten in der Regel keine Budgets vorgesehen.
  • Klassische Transferformate wie „Policy Briefs“ und schriftliche Berichte sind nicht ausreichend, um Projektergebnisse zu verbreiten. Sie sollten um weitere Formate ergänzt werden. Dabei sollten die Projekte auch vermehrt mit Journalisten zusammenarbeiten.
  • Mehr institutionalisierte Strukturen für Forschungstransfer an den Hochschulen sind notwendig.
  • Es sollten Inkubatoren für wissenschaftliche Projekte eingerichtet werden als eine Möglichkeit, Transfer zu unterstützen und die nachhaltige Wirkung der Projekte zu gewährleisten.
  • Methoden, die auf Problemlösung hin ausgerichtet sind, wie z.B. Design Thinking, Reallabore oder „Hackathons“, können den Forschungstransfer unterstützen und sollten daher gefördert werden.
  • Auch Projekte, die sich mit innovativen Ideen beschäftigen und bei denen das Risiko des Scheiterns daher höher ist, sollten Förderung erhalten.
  • Erfolgreicher Transfer von Forschungsergebnissen benötigt angemessene personelle Ressourcen. Dies stellt eine Herausforderung für Forschende da, die gleichzeitig ihre wissenschaftlichen Karrieren, v.a. durch exzellente Publikationen, vorantreiben möchten.

Die Ergebnisse können Sie auch als PDF herunterladen.